In Kanada waren wir mit einem ausgebauten Van unterwegs, gemietet bei einem kleinen Anbieter, der seine Vans selbst von Hand ausbaut. Kompakt, naturnah und mit viel Liebe zum Detail. Was folgte, waren drei Wochen zwischen Bergseen, Bären und einem unerwartet bewegenden Moment.
Auftakt in Vancouver
Bevor wir den Van übernahmen, erkundeten wir Vancouver zu Fuss und per Velo. Stanley Park, Granville Island, die Robson Street und das BC Sports Museum, wo wir sogar die olympischen Abfahrtsski von Didier Défago entdeckten. Eine entspannte, lebenswerte Stadt, in der wir gut ankamen und uns ohne Hektik einlebten.

Whistler und der Tag auf dem Bike
Mit dem Van ging es nach Whistler, ein wunderschönes Dorf, in dem im Juni noch Ski gefahren wurde, in kurzen Hosen. Der Höhepunkt war ein ganzer Tag im Bikepark. Kurz nach dem Start mussten wir bereits abbremsen, ein Schwarzbär stand seelenruhig grasend auf der Strecke. Insgesamt sahen wir an diesem Tag vier Bären. Es wurden viele Abfahrten, von der A-Line bis zum World Cup Single Track. Simone stürzte bei einem Drop, fuhr nach einer kurzen Pause aber tapfer weiter. Hundemüde und glücklich fielen wir am Abend ins Bett.
In einem von Hand ausgebauten Van zu reisen, fühlt sich anders an. Man ist näher an der Strasse, näher an der Natur und spürt in jedem Detail die Sorgfalt dahinter.
Wasserfälle und die Rocky Mountains
Über Clearwater und die eindrücklichen Wasserfälle im Wells Gray Provincial Park, darunter der Helmcken Fall mit 140 Metern, doppelt so hoch wie die Niagarafälle, ging es Richtung Jasper. Hier zeigten sich die Rockies in voller Pracht. Der Icefields Parkway von Jasper nach Lake Louise ist eine der schönsten Strassen, die wir je gefahren sind: Sunwapta Falls, Columbia Icefields, der türkisblaue Peyto Lake und immer wieder Wildtiere am Strassenrand.
In den Tagen rund um Lake Louise und Banff wanderten wir viel. Die grosse Runde mit Lake Agnes, Big Beehive und der Plain of Six Glaciers brachte es auf über sechzehn Kilometer und 1800 Höhenmeter, teils noch durch Schnee. Dazwischen der Yoho National Park mit dem Emerald Lake und den Takakkaw Falls. Bären begegneten uns auf dieser Etappe gleich mehrfach, am Ende der Reise hatten wir über ein Dutzend gezählt.

Drumheller, eine persönliche Spurensuche
Der bewegendste Teil der Reise führte uns nach Drumheller. Hier hatte Brunos Vater einst als Farmer gelebt. Gunnar, ein alter Bekannter der Familie, nahm uns herzlich auf, zeigte uns das kleine Haus, in dem der Vater gewohnt hatte, die Farm, die Kirche und den Saloon, in dem er ein und aus ging. Stundenlang erzählte Gunnar Geschichten, kannte sogar noch die Farbe der Jacke. Wir besuchten das Dinosauriermuseum, fuhren über die elf Brücken und den Dinosaurier-Trail. Solche Tage kann man nicht planen, man trägt sie für immer mit sich.
Zurück an die Küste
Über die Hoodoos, eine alte Kohlemine und eine 117 Meter lange Hängebrücke ging es weiter über Golden, Revelstoke und das schöne Kelowna am Okanagan Lake zurück Richtung Vancouver. In Fort Langley, dem Gründungsort von British Columbia, verbrachten wir den letzten Abend, bevor wir den Van zurückgaben und nach Hawaii flogen.
Was wir aus dieser Reise mitgenommen haben
- Ein Van ist nicht kleiner an Erlebnis. Weniger Komfort, dafür mehr Nähe zur Natur und mehr Flexibilität auf schmalen Strassen.
- Die Rockies brauchen Zeit. Der Icefields Parkway verdient mehr als eine schnelle Durchfahrt. Wir hielten ständig an, und das zu Recht.
- Wetter und Höhe ernst nehmen. Selbst im Juni lag oben noch Schnee, und am Moraine Lake hatte es nur rund sechs Grad.
- Bären gehören dazu. Über ein Dutzend Begegnungen. Ruhe bewahren, Abstand halten, beobachten statt stören.
- Die schönsten Momente sind oft die persönlichen. Eine Begegnung kann eine ganze Reise prägen.