Skandinavien · Reisebericht

Skandinavien mit dem Van, 19 Tage bis ans Kattegat

Schweden und Dänemark mit unserer VW California, die wir Floki nennen. Was funktioniert hat, was wir wirklich gebraucht haben und was zu Hause hätte bleiben können.

FahrzeugVW California, Floki
Streckerund 3560 km
Dauer19 Tage
ReisezeitJuli 2026
UnterwegsSimone, Bruno, Henry & James

Skandinavien klingt nach grosser Expedition, nach Wildnis und langen Fahrten. In Wahrheit ist eine Reise nach Schweden und Dänemark auch für eine Familie gut zu bewältigen, selbst wenn man nicht seit zehn Jahren campt. Wir sind in 19 Tagen von der Schweiz bis ans Meer und wieder zurück, mit Städten, Seen, einer Velotour über die Öresundbrücke und der Stelle, an der die Ostsee auf die Nordsee trifft. Was diese Reise gebraucht hat und was wir uns hätten sparen können, erzählen wir hier ohne Beschönigung.

Warum Skandinavien mit dem Van gut machbar ist

Für uns war es die erste grössere Nordreise mit den Kindern, unseren beiden Söhnen Henry und James. Genau deshalb haben wir die Route entspannt geplant, mit sinnvollen Fahretappen und genügend Zeit zum Ankommen. Unterwegs waren wir zu viert in unserer VW California auf T7 Multivan Basis, die bei uns Floki heisst. Das Wetter reichte von 16 bis 35 Grad, mit viel Sonne und einem Regentag, der überraschend zu den schönsten Erinnerungen gehört.

VW California mit aufgestelltem Dach und Vorzelt auf einem Campingplatz
Floki mit aufgestelltem Vorzelt, unsere Basis für 19 Tage.

Etappe 1, der Weg in den Norden

Die Anfahrt haben wir in zwei Etappen aufgeteilt, was mit Kindern klar die bessere Wahl ist. Am ersten Tag ging es von der Schweiz bis nach Deutschland, zum Regenbogen Camping bei Dransfeld, wo wir eine Nacht blieben. Am zweiten Tag fuhren wir weiter bis Malmö und setzten über die Öresundverbindung nach Schweden über. So beginnt die Reise entspannt, statt die Strecke am Stück durchzuziehen.

Etappe 2, Schweden von Malmö bis Göteborg

In Schweden wurde die Reise vielfältig. Ein Höhepunkt gleich zu Beginn war die Velotour über die alte Trasse an der Öresundbrücke, mit weitem Blick über das Wasser. Von Malmö ging es weiter nach Vimmerby, wo wir auf dem Camping Vimmerby direkt am Nossenbaden See standen und die Astrid Lindgren Värld besuchten. Von dort fuhren wir Richtung Göteborg und legten unterwegs einen Halt in Katthult ein, dem Hof, auf dem die Serie Michel aus Lönneberga gedreht wurde. In Göteborg wartete zum Abschluss der Liseberg Park.

Öresundbrücke bei Tag von Schweden aus gesehen
Die Öresundbrücke, hier bei Tag von der schwedischen Seite.

Für die Kinder war der Liseberg Park in Göteborg ganz klar das grösste Erlebnis. Dazwischen lag ein Regentag, an dem Floki zeigen musste, dass man auch bei schlechtem Wetter gut darin sitzt. Wir haben Karten gespielt, und der Campingplatz hatte zusätzlich einen guten Indoorraum mit einem kleinen Spielplatz, wo sich die Jungs austoben konnten. So verteilt sich ein Regentag ganz von selbst, und der Druck ist weg.

Alte schwarze Kutsche vor einem Holzzaun in Katthult
Katthult, der Drehort der Serie Michel aus Lönneberga.
Hafen und Skyline von Göteborg mit Kränen vom Wasser aus
Der Hafen von Göteborg, letzte grosse Stadt vor der Überfahrt nach Dänemark.

Etappe 3, die Überfahrt und Dänemark

Von Göteborg nahmen wir die Fähre nach Frederikshavn und waren damit in Dänemark. Im Vergleich zu Schweden wirkte Dänemark ein Stück ruhiger und zugleich etwas rauer. Der Höhepunkt der ganzen Reise wartete im Norden, bei Skagen. Dort, an der Landspitze Grenen, treffen Ostsee und Nordsee aufeinander. Man läuft über eine schmale Sandbank ins Wasser hinaus und spürt die zwei Strömungen an den Füssen, während vor einem die Wellen aus beiden Meeren gegeneinander laufen. Aus der Höhe sieht man die Linie, an der sich die beiden Seiten treffen, richtig deutlich. Dazu haben wir Robben gesehen. Das war einer dieser Momente, für die man überhaupt losfährt.

Luftbild der Landspitze Grenen bei Skagen, wo Ostsee und Nordsee zusammentreffen
Grenen bei Skagen, wo Ostsee und Nordsee aufeinandertreffen.
Robbe am Sandstrand von Skagen
Eine Robbe am Strand von Skagen.
Unser Tipp für Skagen: so früh wie möglich hin. Wir waren um die Mittagszeit dort und es war sehr voll. Wer die Randzeiten nutzt, hat den Ort fast für sich.

Später ging es weiter nach Fünen, mit einer Velotour rund um Kerteminde. Dänemark eignet sich hervorragend fürs Velofahren, die Wege sind gut und die Distanzen familienfreundlich.

Etappe 4, die Heimreise

Der Rückweg führte südwärts durch Deutschland, mit einem ruhigen Zwischenhalt rund um Guxhagen, und dann über Frankreich zurück in die Schweiz. Auf der letzten Etappe zeigte das Thermometer 35 Grad, was im Van noch einmal ein eigenes Thema war. Wer im Hochsommer heimfährt, startet besser früh, hält die Mittagshitze für eine lange Pause im Schatten aus und fährt am späteren Nachmittag weiter.

Was die Reise gekostet hat

Wir rechnen offen, weil geschätzte Wohlfühlzahlen niemandem helfen. Das sind grobe Werte für vier Personen über 19 Tage, ohne Anschaffungen und ohne das Fahrzeug selbst. Laut Bordcomputer lagen wir am Ende bei rund 3560 Kilometern und einem Schnitt von 7,1 Litern auf 100 Kilometer, ein guter Wert für einen vollgepackten Bus mit vier Personen.

Bordcomputer der VW California zeigt 3559 Kilometer und 7,1 Liter Verbrauch
Am Ende der Reise: 3559 Kilometer, 7,1 Liter auf 100 Kilometer im Schnitt.

Grobe Kosten für vier Personen, 19 Tage

Unter dem Strich landet man so bei rund 2800 bis 3000 Franken für die ganze Familie über drei Wochen. Das ist für eine Skandinavienreise ein fairer Wert, und er zeigt vor allem eines: Wer selbst kocht, spart den grössten Einzelposten nach den Übernachtungen. Wir haben nur selten auswärts gegessen und den Espresso meist selbst gemacht.

Ein Hinweis zum Strom, weil das zunehmend ein Thema ist. Mit dem Hybrid haben wir an der Campingsteckdose geladen. Immer mehr Plätze reagieren darauf und rechnen den Strom zusätzlich ab. Das ist absolut fair, niemand muss den Strom verschenken. Wer viel lädt, sollte diesen Posten einplanen und nicht davon ausgehen, dass er immer inklusive ist.

Campingplätze, unsere Erfahrung

Wir haben die ganze Reise auf Campingplätzen verbracht, kein freies Stehen. Die Preise in Skandinavien fanden wir absolut in Ordnung, sicher nicht günstig, aber auch nicht überteuert.

Den wichtigsten Lerneffekt gab es beim Buchen. Wir hatten fast alles im Voraus reserviert, nur die letzten zwei Plätze nicht. Genau das hat uns eingeholt. Mitten in den Ferien einen freien Platz zu finden und zu reservieren, kostet schnell drei bis vier Stunden, die dann für die Reise fehlen. Unsere Empfehlung: Wer entspannt reisen will, bucht im Voraus. Der Preis dafür ist etwas weniger Spontaneität, weil die Route festgelegter ist. Wer maximale Freiheit will, muss die Zeit fürs Suchen bewusst einplanen.

Die Ausrüstung, die sich bewährt hat

Nach dem VANAV Prinzip zählt nicht, was man alles besitzt, sondern was unterwegs wirklich hilft. Drei Dinge haben sich auf dieser Reise besonders ausgezahlt.

Die Ausgleichskissen von Flat Jack. Um Floki auf schrägem Untergrund gerade zu stellen, nutzen wir die aufblasbaren Flat Jack Camper 2.0. Sie sind schnell platziert und man merkt den Unterschied sofort, beim Schlafen wie beim Kochen. Nebenbei sind sie zum Gesprächsstarter geworden, weil Leute auf dem Platz stehen bleiben und fragen, was das ist.

Das freistehende Vorzelt von Outwell. Das Outwell Touring Shelter Air öffnet nach vorne, hat einen aufblasbaren Bogen mit Luftkammer statt Gestänge und wird direkt in die Kederschiene am Fahrzeug eingefädelt. In knapp fünf bis zehn Minuten steht es sauber. Für Schatten, Regenschutz und einfach mehr Platz vor dem Van war das eine der praktischsten Anschaffungen.

Die faltbare Küchentheke von Decathlon. Draussen anständig stehen zu können, wenn man etwas zubereitet oder verstaut, klingt banal, macht im Alltag aber einen grossen Unterschied. Die faltbare Campingküche von Quechua hat automatisch für mehr Ordnung gesorgt und war eines der Ausrüstungsteile, die ich am häufigsten gebraucht habe.

Was zu Hause hätte bleiben können

Fast alles, was mit war, kam auch zum Einsatz. Die eine Ausnahme war der Wasserkocher. Wir hatten ihn ausgeliehen und kein einziges Mal gebraucht, weil wir den Kaffee ohnehin auf dem Herd zubereitet und Wasser einfach in der Pfanne erhitzt haben. Er ist inzwischen wieder zurück bei der Besitzerin. Der Rest der Ausrüstung war gut optimiert und hat sich bewährt.

Das ist die vielleicht wichtigste Erkenntnis für die erste grössere Reise: Man braucht weniger, als man denkt. Was doppelt vorhanden ist oder eine eigene Steckdose verlangt, kann meist zu Hause bleiben.

Fazit

Skandinavien mit dem Van ist keine Reise für Draufgänger, sondern für alle, die Natur, gute Strassen und ein bisschen Norden suchen. Mit einer Familie funktioniert es gut, wenn man die Fahretappen sinnvoll aufteilt, die Campingplätze rechtzeitig bucht und sich bei der Ausrüstung auf das Nötige beschränkt. Der Moment in Skagen, an dem zwei Meere aufeinandertreffen, war für uns die Reise wert. Gut vorbereitet ist so ein Trip entspannter, als viele denken.

Öresundbrücke bei Sonnenuntergang über ruhigem Wasser
Abendstimmung an der Öresundbrücke, ein letzter Blick zurück.

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