Es gibt Reisen, die plant man, und es gibt Reisen, die einen verändern. Unser Roadtrip durch den Westen der USA war beides. Drei Wochen, ein Wohnmobil, zwei Menschen und eine Route, die von der Pazifikküste quer durch die grossen Nationalparks bis hoch in den Norden führte. Hier erzählen wir, wie es wirklich war, mit den schönen Momenten und den ehrlichen Lehren.
Der Start in San Francisco
Bevor das eigentliche Camperleben begann, gönnten wir uns ein paar Tage in San Francisco. Die Cable Cars, die Lombard Street, ein Ausflug nach Alcatraz und am Ende die Fahrt mit dem Mietvelo über die Golden Gate Bridge. Ein guter Einstieg, um in der Zeitzone und im Land anzukommen, bevor wir nach Los Angeles flogen und dort unser Wohnmobil übernahmen.
Die erste lange Etappe führte uns ins Landesinnere zu Bekannten. Schon hier wurde klar, was diese Reise prägen würde: die Distanzen. Was auf der Karte nach einem Katzensprung aussieht, sind in den USA schnell mehrere hundert Kilometer.

Die grossen Nationalparks
Yosemite war der erste Park, und gleich ein Volltreffer. Wir hatten Glück mit dem Campingplatz, wanderten zum Mirror Lake und hinauf zum Vernal Fall, und lernten vom Ranger die erste wichtige Lektion: Bären sind hier kein Mythos, sondern Alltag. Im Sequoia National Park erwartete uns dann etwas, womit im Mai niemand rechnet, zehn Zentimeter Neuschnee, und mittendrin die grössten Bäume der Welt.
Auf dem Weg dorthin sass Simone zum ersten Mal selbst am Steuer des Wohnmobils und machte prompt Bekanntschaft mit einem Randstein. Halb so wild, und ein gutes Beispiel dafür, dass ein Camper ein anderes Fahrgefühl hat als ein Auto. Etwas Übung gehört dazu, am besten dort, wo wenig los ist.
Vom Schnee ging es direkt in die Hitze. Death Valley empfing uns mit unendlichen Weiten, unserem ersten Grillabend und einem netten Nachbarn auf dem Campingplatz. Am Dante's View sieht man den tiefsten und den höchsten Punkt der zusammenhängenden USA auf einen Blick, das Badwater Basin auf 86 Metern unter dem Meeresspiegel und in der Ferne den Mount Whitney.

Wüste, Canyons und rote Erde
Nach einem Abstecher nach Las Vegas, das mit viel Kommerz und einem kleinen Verlust am Blackjack-Tisch in Erinnerung blieb, wurde die Landschaft spektakulär. Sedona mit seiner roten Erde, der Grand Canyon, der einen sprachlos macht, und das Monument Valley, das wir in völliger Dunkelheit erreichten, weil die Campingsuche wieder einmal länger dauerte als geplant.
Das Lower Antelope Canyon bei Page war einer der eindrücklichsten Orte der ganzen Reise. Danach Zion mit seinen Wasserfällen und dem Emerald Pool, und schliesslich der Arches National Park bei Moab. Drei Wanderungen zu Double Arch, Delicate Arch und Landscape Arch, rund zehn Kilometer zu Fuss, eine Schlange am Wegrand, und beim Verlassen des Parks über eine staubige Sandstrasse sahen wir am Horizont gleich zwei Windhosen. Solche Momente plant man nicht, man erlebt sie einfach.
Was auf der Karte nach einer Stunde aussieht, sind hier schnell vierhundert Kilometer. Wer das akzeptiert, geniesst die Strecke, statt sie zu bekämpfen.
Der wilde Norden
Über Salt Lake City ging es weiter in den Yellowstone, vorbei am beeindruckenden Teton National Park. Im Yellowstone reihte sich ein Naturschauspiel ans nächste: Bisonherden im Lamar Valley, dampfende Geysire, die Terrassen der Mammoth Hot Springs und der Old Faithful, der fast auf die Minute pünktlich ausbricht. Auf den Wanderungen sahen wir Bisons, einen Kojoten, und an einer gesperrten Stelle sogar den Abdruck einer Bärentatze.
Der emotionalste Moment kam im Glacier National Park. Nach einer langen Wanderung lief uns auf der Strasse ein mittelgrosser Schwarzbär über den Weg. Wir parkten, und mit etwas Abstand beobachteten wir das Tier, das sich auf einen Baum zurückzog. Mensch und Bär, die einander ansahen. Solche Begegnungen bleiben ein Leben lang.

Ankommen in Seattle
Die letzte grosse Etappe führte uns nach Seattle. Zur Space Needle, zu einem Spiel der Seattle Sounders, dessen Fankultur uns überraschte, und auf einen Ausflug zum Whale Watching bei Anacortes. Nach zweieinhalb Stunden auf dem Wasser fanden wir sie: eine Gruppe von gut einem Dutzend Orcas in freier Wildbahn. Ein würdiger Abschluss, bevor wir das Wohnmobil reinigten, zurückgaben und mit dem Bus weiter nach Kanada fuhren.
Was wir aus dieser Reise mitgenommen haben
- Distanzen ehrlich einplanen. Einzelne Tage hatten über 700 Kilometer. Lieber eine Etappe weniger und dafür mehr Zeit am Ort.
- Stellplätze nicht dem Zufall überlassen. Zweimal suchten wir bis tief in die Nacht. In beliebten Regionen lohnt es sich, im Voraus zu planen oder früh anzukommen.
- Auf jedes Wetter vorbereitet sein. Im Mai gab es Neuschnee in Sequoia und Wüstenhitze im Death Valley innert weniger Tage. Kleider zum Schichten gehören ins Gepäck.
- Das Fahrzeug kennenlernen. Ein Wohnmobil fährt sich anders. Die ersten Kilometer am besten dort üben, wo wenig Verkehr ist.
- Wildtiere respektieren. Bären sind real. Abstand halten, Lebensmittel sicher verstauen und auf die Hinweise der Ranger hören.
- Der Weg ist das Ziel. Die schönsten Momente waren oft die ungeplanten zwischen den grossen Sehenswürdigkeiten.